„Das gibt mir Sicherheit“ – Astrid, Bewohnerin in WG Geesthacht

7 Stunden lag Astrid im Koma – unentdeckt und alleine in ihrer Wohnung. Als ihr Sohn mittags an der Wohnung vorbeilief und die noch heruntergelassenen Jalousien entdeckte, wusste er sofort, dass etwas passiert sein musste. Durch einen Ersatzschlüssel gelang er in die Wohnung, wodurch sie ihr Leben zu verdanken hat.

Aus Angst ein weiteres Mal ins Koma zu fallen, wollte sie nicht mehr in ihre Wohnung zurück und alleine leben. Deswegen entschied sie sich für unsere Wohngemeinschaften in Geesthacht, denn für die gebürtige Hamburgerin ist die Stadt keineswegs fremd. 

Nach 7 Stunden im Koma – Medizinisches Wunder

Dass Astrid heute noch reden und sich selbstständig bewegen kann, grenzt eigentlich an ein medizinisches Wunder. Selbst die Ärzte überrascht es immer wieder, dass Astrid nach 7 Stunden unentdeckt im Koma keine folgenschweren Schäden davon getragen hat. Denn insgesamt geht es ihr mittlerweile relativ gut, wobei ihr gesundheitlicher Zustand aber auch mit vom Wetter abhängt. Sobald die Luftfeuchtigkeit steigt, steigt auch die Anzahl ihrer Atemnot-Anfälle.

Allerdings hat es auch einen medizinischen Hintergrund, dass Astrid überhaupt ins Koma gefallen ist. So wird ihr Alltag schon seit Jahren von vielen Krankenhausbesuchen bestimmt. Ständige Atemnot bestimmt ihr Leben. So kann Astrid an sich genügend Luft einatmen, aber nicht ausreichend CO2 ausstoßen, was wiederum zu einer geringeren Luftaufnahme führt. Ein ewiger Kreislauf, der nicht endet. Deswegen trägt sie mittlerweile Nachts eine zusätzliche Maske und wird tagsüber gelegentlich mit einem Schlauch beatmet. Seitdem sie nun in der WG wohnt, fühlt sie sich endlich wieder sicherer und lebt nicht ständig in Angst. „Hier ist einfach immer jemand um einen. Selbst Nachts lasse ich meine Tür einen kleinen Spalt offen stehen, damit die Pflegekräfte zwei- bis dreimal reinschauen können, während ich schlafe. Das gibt mir Sicherheit.“ 

Verbundenheit aus Kindertagen

Nach den vielen Stunden im Koma folgte zunächst ein Aufenthalt auf einer Intensivstation im Krankenhaus. Ganze sieben Wochen musste sie dort liegen. Anschließend eine Kurzzeitpflege in einem Heim nach der sie dann wieder in ihre Wohnung zurückkehren sollte. Doch aufgrund der wachsenden Angst in ihr beschäftigte sich ihr Sohn mit möglichen Alternativen. Beide kannten zuvor das Konzept einer Wohngemeinschaft für Intensivpflege nicht, stießen im Internet dann zufällig darüber und waren umgehend begeistert. Vor allem die Nähe zu ihrer Heimatstadt Hamburg und dem aktuellen Wohnort des Sohnes waren dann ausschlaggebende Gründe für die WG in Geesthacht. 

Aber Geesthacht ist sowieso keine fremde Stadt für Astrid und hat bereits viele Erinnerungen aus Kindertagen hervorgerufen. „Meine Großeltern haben hier gewohnt und ich war mit meiner Oma immer hier im Wald spazieren und habe Pilze gesammelt. Mit meinem Opa habe ich dann immer die Stadt erkundet und kleine Einkäufe erledigt.“ Umso schöner ist es nun für sie, wieder an diesen Ort zurückzukehren, denn so hat sie auch das Gefühl ihre Großeltern noch um sich zu haben. 

Frei, selbstständig und wunschlos glücklich 

An sich kann sich Astrid weitestgehend selbstständig bewegen und braucht deswegen vergleichsweise wenig Hilfe. So helfen ihr die Pflegekräfte dennoch bei Tätigkeiten, die viele Bewegungsvorgänge verlangen, wie duschen, eincremen oder Haare föhnen. Außerdem wird ihre Beatmung vor allem in der Nacht kontrolliert, tagsüber entscheidet Astrid häufig selbst, ob sie eine zusätzliche Beatmung benötigt. 

„Aber leider bin ich hier die einzige Patientin, die noch relativ mobil ist. Schön wäre noch ein weiterer mobiler Patient, mit dem ich auch mal etwas unternehmen kann.“ Denn aufgrund ihrer verringerten Luftaufnahme, braucht sie immer viel Bewegung und darf nicht nur in ihrem Zimmer sitzen. Häufig ist sie deswegen in Begleitung einer Pflegekraft in der Stadt oder einem nahegelegenen Park unterwegs und genießt die frische Luft. Auch den Weg zur Physiotherapie oder zum Arzt versucht sie immer zu Fuß zu erledigen. „Darüber bin ich auch sehr glücklich, denn bis vor kurzem saß ich im Rollstuhl.“ Sich jetzt wieder freier bewegen zu können, bedeutet für die 65-jährige, auch enorm an Selbstständigkeit zurückerlangt zuhaben. Ein Grund für sie nun wunschlos glücklich zu sein.